Operation Titelverteidigung II

Das Final4 der Herren ist so ausgeglichen wie selten zuvor. Alle vier Teams haben realistische Chancen der 69. Deutsche Meister zu werden. Wenn es nach Rot-Weiss Köln geht, dann nehmen die Domstädter den Pott am Sonntag wieder mit zurück ins Rheinland.

Fachleute hatten den Rot-Weissen eine schwere Saison prognostiziert. Nach dem Karriereende der drei Routiniers Max Weinhold, Timo Wess und Tibor Weißenborn verloren die Kölner wichtige, langjährige Stützen der Mannschaft. Außerdem verließ Meistercoach Stefan Kermas den Club. Aber das Team vom neuen Trainer Frederik Merz konnte die „Abgänge“ gut kompensieren. Mit Victor Aly holte man sich bereits in der vorletzten Saison ein Toptalent auf der Torhüterposition und einen legitimen Nachfolger für Weinhold. Mit Mats Grambusch erwarb man zu Beginn der Saison den Shootingstar der Europameisterschaft 2013 aus Gladbach. Mit im Gepäck kam Bruder Tom vom Niederrhein, der zusammen mit Neuzugang Mathias Müller vom UHC im vergangenen Jahr Junioren-Weltmeister in Indien wurde. Müller und Tom Grambusch ergänzen die erfahrene Defensive um die Olympiasieger Benjamin Weß, Jan-Marco Montag und Phillipp Zeller. Dessen Bruder Christopher musste sich zuletzt intensiv mit seinem Jura-Examen auseinander setzen, steht seiner Mannschaft aber am Wochenende zur Verfügung. Zeller ist ein Spieler der den Unterschied machen kann, genauso wie sein kongenialer Sturmpartner und Nationalmannschaftskollege Marco Miltkau. Köln hat die Qualität zum siebten Mal Deutscher Meister zu werden und den Titel zu verteidigen. Dafür wird allerdings eine Leistungssteigerung zum EHL-Auftritt nötig sein.

 

 

Doch den kölschen Traum möchte der Mannheimer HC schon im Halbfinale zerplatzen lassen. Die Quadratstädter wollen endlich ihren ersten Meistertitel auf dem Feld feiern. Der Hallenmeister von 2010 fährt mit breiter Brust in die Hansestadt. Im letzten Saisonspiel konnte man den HTHC mit 3:1 im direkten Duell um die Playoff-Spiele besiegen. Das Team vom Australier Michael McCann hat jedoch nicht die besten Erinnerungen an den Norden. Letztes Jahr schied man im Halbfinale gegen Uhlenhorst Mülheim aus. Dabei setzt der MHC vor allem auf eine kompakte Defensive. In der abgelaufenen Hauptrunde kassierte die Hintermannschaft um Goalie Andreas Späck und die tschechische Abwehrkante Tomás Procházka die wenigsten Gegentreffer. Im Mittelfeld ziehen mit Patrick Hablawetz und Danny Nguyen Luong zwei laufstarke und technisch versierte Spieler die Fäden, die im erweiterten Kader der Nationalmannschaft stehen. In der Abteilung Attacke setzt man auf einen alten Hasen. Doppelolympiasieger Matthias Witthaus ist ein Schlitzohr und steht für geniale Momente. Auch auf Fabian Pehlke war in den 22 Ligaspielen im gegnerischen Kreis Verlass. Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung ist der MHC dazu in der Lage, den ersten Feld-Wimpel in der Vereinsgeschichte zu gewinnen.

 

 

Diesen Wimpel sehnen auch die Herren vom UHC herbei. Die Gastgeber des Final4 sind lediglich in der Halle zweimal Deutscher Meister geworden (1964 und 2002). Jetzt will man sich den großen Traum auf der eigenen Anlage erfüllen. Zu Saisonbeginn galt der Club aus Uhlenhorst als Topfavorit auf den Titel. Neben dem Goldmedaillengewinner von Peking 2008, Carlos Nevado, kamen aus Spanien Doppelolympiasieger Oliver Korn und Moritz Fürste zurück an den Wesselblek. Außerdem verstärkte man sich mit dem Doppeltorschützen des olympischen Finals von London, Jan-Philipp Rabente, der den Horst wechselte und aus Mülheim zu den Uhlen stieß. Dieser Favoritenrolle ist der UHC mit Platz eins nach der Hauptrunde gerecht geworden. Doch das Team vom neuen Coach Kais al Saadi plagt seit Beginn des Jahres das Verletzungspech. Sowohl der Welthockeyspieler von 2012, Moritz Fürste, als auch sein Bruder Jonas rissen sich am gleichen Tag, Anfang März, das Kreuzband. Während Moritz der Mannschaft nicht zur Verfügung stehen wird, hat der jüngere Bruder am vergangenen Wochenende schon wieder gespielt, da sein Kreuzband nur angerissen war. Hinzu kommt das Drama um Oliver Korn, der im Februar mehrmals operiert werden musste und in Lebensgefahr schwebte, weil er einen Blinddarmdurchbruch über ein knappes halbes Jahr verschleppte. Korn wird spielen können, hat allerdings mit acht Kilogramm unglaublich an Substanz verloren. Seine Präsenz auf dem Platz wird allerdings für die Truppe enorm wichtig sein. Aus dem Lazarett haben sich inzwischen auch Junioren-Weltmeister Max Kapaun und Routinier Jan Simon begeben. Simon hatte im Training einen Ball abbekommen und sich den Kiefer gebrochen. Kapaun musste nach einem schweren Bluterguss im Oberschenkel notoperiert werden, weil der Oberschenkelmuskel zu platzen drohte. Kais al Saadi geht mit einigen Sorgenfalten in die Endrunde. Aller Voraussicht nach, muss er aber nur auf Moritz Fürste verzichten, um den Traum von der zweiten Deutschen Meisterschaft auf der eigenen Anlage, nach dem Titelgewinn mit den UHC-Damen 2011, zu verwirklichen.

 

 

Zum Glück kein Verletzungspech, aber andere Sorgen hat an dieser Stelle HTHC-Coach Christoph Bechmann. Nach dem überraschenden Gewinn der EHL, muss er versuchen die Spannung innerhalb seiner Mannschaft aufrecht zu halten. Die 1:3-Niederlage des frischgebackenen Europapokalsiegers in Mannheim, könnte ein dankbarer Warnschuss vor dem Lokalderby im Halbfinale gegen den ewigen Rivalen gewesen sein. Die Schwarz-Gelben galten nach ihren herausragenden Leistungen am Osterwochenende automatisch als leichter Favorit beim Final4. Sollten die Mannen von der Barmbeker Straße diese Leistung erneut abrufen können, haben sie beste Chancen auf ihre vierte Deutsche Feldmeisterschaft seit 2000. Dabei richten sich alle Augen auf den aktuellen Welthockeyspieler Tobias Hauke. Der 26-Jährige ist das herz und der Motor der Mannschaft. Er bestimmt den Rhythmus im Spiel der Hamburger. Aber auch der MVP der EHL, Torhüter Tobias Walter ist ein wichtiger Faktor für Harvestehude. Mit seinen Paraden war er der Garant für den Erfolg auf der europäischen Bühne. Außerdem ist man abhängig von der Tagesform des Österreichers Michael Körper. Seine Strafecken sind eine wichtige Waffe für die Hanseaten. Der HTHC will die UHC-Party schon am Samstag „crashen“. Die Hockeyhochburg Hamburg blickt mit Spannung auf das Derby der beiden Giganten. Hockeydeutschland kann sich auf zwei spannende und hochklassige Halbfinals mit dem Besten was die Liga zu bieten hat freuen.

 

 

Adrian von der Groeben